Hermann der Krüppel

Hermann mit Krückstock
Hermann mit Krückstock

Heute vor 1000 Jahren am 18. Juli 1013 wurde in Altshausen im Saulgau Herimann, genannt Contractus (der Verkrümmte), geboren – eines von insgesamt 14 Kindern des Grafen Wolfenrad II. von Vehrungen und dessen Frau Hiltrude. Herimann verbrachte den größten Teil seines Lebens (er starb bereits 1054) im Kloster Reichenau und wird deshalb auch oft als Hermann von Reichenau angesprochen. Er war einer der bedeutendsten Gelehrten und Dichter seiner Zeit; er schrieb Bücher zur Geschichte, zur Mathematik und Himmelskunde sowie zur Musiktheorie; außerdem dichtete und komponierte er zahlreiche Hymnen. 1863 wurde er durch Papst Pius IX selig gesprochen.

Daß wir heute an ihn erinnern, hat zunächst den Grund, daß er der Verfasser einer Hymne an die hl. Afra, die Patronin unserer Institutskirche, ist:

Heilige Märtyrerin Gottes, die du,
lodernd im Feuer des Glaubens,
die Flammen der Folterknechte verspottet,
du Opferlamm Christi;
durch deine Gebete lösche
die Gluten der Leidenschaft,
welche die guten Sitten besudeln,
auf daß in uns wachse
die leidenschaftliche Liebe zu Gott.

Weitaus bekannter sind zwei andere Dichtungen, als deren Verfasser Herimann seit vielen Jahrhunderten mit guten Gründen angesehen wird: des Salve Regina und des Alma Redemptoris Mater, die bis auf den heutigen Tag zum Kernbestand der Hymnen in der lateinischen Kirche gehören.

Überaus bemerkenswert sind die Lebensumstände des Herimannus Contractus, dessen Namen man am passendsten als „Hermann der Krüppel“ wiedergeben kann.

Hermann war körperlich schwerst behindert und konnte sich ohne fremde Hilfe kaum bewegen – die Mitbrüder trugen ihn auf einem Tragstuhl durchs Kloster. Unser Bild von einere Ofenkachel des 18. Jahrhunderts wird der grausamen Wirklichkeit nicht gerecht. Auch sprechen konnte er kaum; nur wenige Mönche verstanden sein Krächzen, mit anderen verkehrte er durch Notizen auf einem Täfelchen. In seinen letzten Lebensjahren verlor er auch noch das Augenlicht. Und wurde immer mehr zum Dichter.

Ob der kleine Hermann als „Mißgeburt“ – einige Hinweise deuten in Richtung spina bifida – zur Welt gekommen war oder später an Kinderlähmung oder einer amyotrophen Lateralsklerose (wie Stephen Hawking) erkrankte, ist unbekannt. Seine Eltern haben ihn jedenfalls nicht vor der Geburt abgetrieben und nicht nach der Geburt umgebracht. Sie übergaben ihn – wohl samt einigen Äckern für seinen Unterhalt – im Alter von sieben Jahren den Benediktinern auf der Reichenau, die ihn weiter erzogen, seinen glänzenden Geist erkannten und förderten und später voll Dankbarkeit die von ihm gedichteten und komponierten Hymnen sangen.

Aus dem „finsteren Mittelalter“ leuchtet so sein von der Gemeinschaft getragenes Leben als Vorbild in unsere Zeit herüber, die sich für aufgeklärt hält und doch von der Kultur des Todes verfinstert ist.

Sel. Herimann, hl. Afra, bittet für uns.


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