Hl. Afra, 7. August

Patrozinium unserer Kirche

† am 7. August im Jahre 304 auf der Lechinsel bei Augsburg.

Wurde im Jahre des Heils 1064 in die Zahl der Heiligen aufgenommen.

Gott führte eines Tages den hl. Narcissus, Bischof von Gerona in Spanien, zur Zeit der Verfolgung unter dem römischen Kaisers Diokletian († um 313) in Begleitung seines Diakons Felix nach Augsburg. Dort ganz unbekannt, nahm er in dem Hause einer Heidin, die Afra hieß, Herberge. Afra war eine Tochter des Königs von Zypern. Dieser wurde erschlagen, seine Frau Hilaria floh mit Afra nach Rom und weihte ihre Tochter der Liebesgöttin Venus. Sie war eine öffentliche Sünderin als Veneria eine „Liebesdienerin“, eine Dirne. Afra träumte, sie solle Königin von Augsburg werden und bewog die Mutter, mit ihr dorthin zu ziehen. Zusammen mit einigen Begleiterinnen kam Sie in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Augsburg. Dessen sich wohl bewußt, meinte sie, die zwei Fremdlinge wären mit schändlichen Vorhaben zu ihr gekommen, und bereitete ihnen eine köstliche Abendmahlzeit. Vor dem Essen schickte sich der Bischof zum Gebete an. Seine Stellung, sein Antlitz, seine Augen verkündeten laut, daß sein Geist mit Gott redete. So etwas hatte Afra in ihrem Leben nie gesehen. Voll Erstaunen fragte sie, wer den dieser Fremdling wäre. Sie erfuhr, es sei die ein christlicher Bischof. Nun hörte sie aber auch, wie dieser Mann Gottes während der ganzen Nacht mit seinem Diakon betete und das Gottes Lob sang. Zudem sah sie noch, wie seine Wohnstätte durch den wunderbaren Glanz eines himmlischen Lichtes erleuchtet war. Voll Ehrfurcht vor der Heiligkeit dieses Bischofs und voll Scham über ihre Sünden und Laster warf sie sich am frühen Morgen vor den Füßen des Dieners Gottes nieder und bekannte alle Makel ihrer Sünden.

Auf dies demütige Sündenbekenntnis verkündete ihr der Bischof die unendliche Erbarmung und Liebe Jesu Christi mit so eindringlichen Worten, daß sie sogleich ihrer lasterhaften Lebensweise entsagte und Versöhnung und Gnade durch Christus suchte. Wie gründlich dieser Unterricht und wie ernst es der reumütigen Sünderin gewesen ist, das ersehen wir aus dem Bekenntnisse der Afra vor dem Richter. Aber die Beseligte wollte nicht allein gerettet werden. Sie führte den heiligen Bischof zu ihrer Mutter Hilaria und offenbarte ihrer Mutter den unabänderlichen Entschluß, das schändliche Leben der Sünde für immer zu verlassen und dem lebendigen Gott zu dienen. Die Erscheinung des Bischofs und die Erklärung der Afra machten einen solchen Eindruck, daß nicht allein die Mutter, sondern das ganze Haus nach dem Heil in Christo verlangte und die Belehrung im Glauben begehrte. Narcissus forderte die ganze Familie zu einem siebentägigen Fasten auf und verkündete die Lehre des Heils. Während dieser sieben Vorbereitungstage lehrte der heilige Bischof sie alle den Weg des Heils. Endlich erteilte er der Mutter Hilaria, ihrer Tochter Afra und allen Hausgenossen das Sakrament der Taufe. So wurden sie alle aus unseligen Sklaven des Satans glückselige Dienerinnen und Bräute Jesu Christi, den sie von nun an von ganzem Herzen liebten, und für den sie freudig ihr Blut und ihr Leben hingaben.

Nicht lange genoß Afra mit ihren Freundinnen jenes himmlischen Trostes ungestört, bald wurde es in Augsburg bekannt, daß sie Christin geworden. Und gerade um diese Zeit saß der grausame Christenverfolger Diokletian auf dem Kaiserthron und ihm zur Seite der ihm an Unmenschlichkeit und Gewalttätigkeit gleiche Maximian als Mitregent. Heftig wütete die Christenverfolgung. Afra ward ergriffen und vor den heidnischen Landvogt Gajus geschleppt. Er fragte sie um Namen und Stand, spricht freundlich: „Opfere den Göttern! denn es ist besser leben, als in Marter sterben“ Afra entgegnet: „Ehe ich den wahren Gott erkannt, war ich eine große Sünderin, und nimmermehr will ich durch den Abfall eine neue Sünde zu denen beifügen, in die ich unglücklicher Weise gefallen.“ Gajus wiederholt: „Geh’ in den Tempel und opfere.“ Afra aber: „Mein Gott ist Jesus Christus. Ihn habe ich immer vor Augen, ihm bekenne ich ohne Unterlaß meine Sünden. Und weil ich nicht würdig bin, ihm zu opfern (öffentliche Sünder durften damals dem hl. Meßopfer nicht beiwohnen), so will ich mich selbst um seines heiligsten Namens willen zum Opfer darbringen, damit der Leib, den ich so oft befleckt habe, durch die Marter gereinigt werde.“ Gajus wieder: „Ich weiß, daß du eine Buhlerin bist, opfere also den Göttern, denn du kannst auf die Freundschaft der Christen keinen Anspruch machen.“ Afra entgegnet schamrot: „Wohl verdiene ich es wegen meines früheren Lebenswandels nicht, unter die Christen gezählt zu werden, aber unser Herr Jesus Christus versichert, daß er nicht für die Gerechten, sondern für die Sünder gekommen sei, um sie zu retten und selig zu machen. Er hat einer Sünderin, wie ich bin, gestattet, ihm seine Füße mit Tränen zu benetzen, und ihr alle Sünden verziehen. Er ging mit den Sündern um und aß sogar mit ihnen.“ Gajus abermals: „Opfere, und du wirst viele Liebhaber erhalten, die dich bereichern können.“ – „O ich schäme mich, rief Afra, daß ich je so schändlichen Gewinn gesucht. Was ich früher auf so unerlaubtem Wege erworben, wollte ich den armen christlichen Brüdern geben, um für mich zu beten; aber da sie es, weil es Lohn der Sünde war, nicht annehmen wollten, habe ich es weggeworfen.“ Hierauf spricht Gajus: „Jesus Christus wird nichts von dir wissen wollen. Umsonst flehst du ihn als deinen Gott an. Eine Unzüchtige kann niemals eine Christin genannt werden.“ – „Ich bin zwar unwürdig, gesteht Afra, den Namen einer Christin zu tragen; allein Christus, unser Herr, hat mich aus lauter Gnade aufgenommen in die Zahl der Gläubigen.“ Gajus fragt: „Was überzeugt dich davon?“ Afra dagegen: „Ich bin der Huld Gottes gewiß, weil er mich des rühmlichen Bekenntnisses seines heiligen Namens würdigt, durch das ich Vergebung aller meiner Sünden hoffen darf.“ Der Richter: „Das ist grundloses Geschwätz: opfere den Göttern durch die du glücklich werden wirst.“ „Mein Heil, sagt sie, ist Jesus Christus, der sterbend am Kreuze dem reuevollen Mörder verziehen und ihm das Paradies verheißen.“ „Opfere! so schreit jetzt wütend der Richter, oder ich lasse dich in Gegenwart deiner Liebhaber geißeln.“ Unerschrocken antwortet Afra: „Mich kann nur das Andenken an meine Sünden beschämen.“ Gajus sagt: „Ich schäme mich mit einer solchen Person so lange zu rechten. Opferst du nicht, so lasse ich dich töten.“ „Dies ist mein Verlangen, entgegnete Afra freudig, wenn ich doch würdig bin, für Gott mein Leben zu opfern.“ – „Wenn du fortfährst in der hartnäckigen Weigerung, sagt Gajus, so werde ich dich foltern und dann verbrennen lassen.“ Afra wankt nicht, sondern spricht: „Mag der Leib, den ich mit Sünden befleckt habe, tausend Martern leiden, meine Seele wird rein bleiben; nie werde ich dem Teufel Weihrauch streuen.“ Nach diesem Wortwechsel spricht der Richter das Urteil. „Wir befehlen, daß die Buhlerin Afra, die sich eine Christin nennt und sich weigert, den Göttern zu opfern, lebendig verbrannt werde.“

Mit wilder Wut fielen die Schergen sie an, ergriffen sie und schleppten sie auf eine Insel des Lechflusses unterhalb Augsburg, entkleideten sie schändlich und banden sie an einen Pfahl. Hier stand sie, nicht erschüttert in ihrer Standhaftigkeit durch die schauerliche Todesart, wohl aber durchdrungen von einem Schrecken wegen des Andenkens an ihre vielen Sünden; jedoch voll Vertrauen auf Gottes unendliche Barmherzigkeit erhob sie jetzt ihren reuevollen Blick zum Himmel und betete flehentlich und unter Tränen: „Herr Jesus Christus, allmächtiger Gott, der du gekommen bist in diese Welt, nicht um die Gerechten, sondern um die Sünder zur Buße zu rufen, nimm mein Leib zur Abbüßung meiner Sünden gnädig auf, und befreie mich durch dieses zeitliche Feuer von jenem ewige, das Leib und Seele zugleich einst peinigt.“ Während sie so betete, wurde das Holz um sie herum gelegt und als man den Scheiterhaufen angezündet und die Flamme hoch aufloderte, sprach sie noch vernehmlich: „Sterbend danke ich dir, Herr Jesus Christus! daß du mich würdig hältst, mich als ein Opfer für deinen Namen anzunehmen. Sieh! dir, der du dich für die ganze Welt am Kreuzholze geopfert hast, der Gerechte für die Sünder, der Unschuldige für nie Schuldigen, dir opfere ich mich ganz auf, der du mit dem Vater und dem heiligen Geist lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen.“ Nach diesem Gebete gab sie ihren Geist in die Hände ihres Erlösers, am 7. August im Jahr 304.

Während die heilige Afra auf der Lechinsel den Martertod litt, standen ihre Mägde, Digma, Eunomia und Eutropia, die mit ihr die heilige Taufe empfangen hatten, am Ufer. Auf ihre Bitten wurden sie nach dem Martertode der heiligen Afra auf einem Kahn zur Insel hinüber gefahren. Dort angekommen, fanden sie den Leichnam der heiligen Afra ganz unversehrt. Der Schiffer, der sie zur Insel gebracht hatte, kehrte zurück und verkündete dies ihrer Mutter Hilaria. Diese begab sich mit einem christlichen Priester auf die Insel. Dort nahm sie den Leichnam der heil. Märtyrerin und brachte ihn in das Grabmal, das sie für sich und die Ihrigen hatte erbauen lassen. Das Grab war zwei Meilen von der Stadt entfernt. In diesem Grabmale verharrten sie eine Zeit lang. Von dem allen erhielt der Richter Gajus eine Nachricht. Sogleich sendete er Schergen zum Grabmal hin, mit dem Befehl: Gehet und ergreifet sie! Sind sie bereit den Göttern zu opfern, so führt sie in allen Ehren zu mir her, daß ich sie entsprechend belohnen kann. Findet ihr aber, daß sie in ihrem hartnäckigen Sinne beharren und sich auf keine Weise zum Opfern bestimmen lassen; so füllet das Grabmal mit Brennholz und dürrem Dornengebüsch an und verschließt es über ihnen. Dann zündet es an und sorgt dafür, daß keine euch entkommt.

Die Schergen gingen hin, und taten, wie ihnen befohlen war. Anfangs ermahnten sie die Frauen mit freundlichen Worten, den Göttern zu opfern. Dann aber forderten sie die Frauen unter Drohungen dazu auf. Alles aber war umsonst. Alle verabscheuten diese Opfer. Jetzt füllten die Schergen das Grabmahl mit Reisern und Dorngebüsch an, verschlossen es, warfen einen Feuerbrand hinein und gingen davon. So erlangten sie alle zusammen, die Mutter und die Mägde, mit der heiligen Afra die Marterkrone und geziert mit dieser Krone konnten sie nun hintreten vor den König der Märtyrer, der da lebt und herrscht mit dem Vater und heiligen Geist in alle Ewigkeit. Amen.

Nachdem die Kirche einen bleibenden Frieden durch Konstantin den Großen erlangt hatte, erbaute man über dem Grabe der heiligen Afra eine Kirche und es begann die Verehrung dieser heiligen Märtyrerin. Schon im sechsten Jahrhundert gibt Fortunatus von Poitiers Zeugnis von dieser Verehrung mit den Worten:

Wenn du nach Augsburg kommst am Lech und der grünlichen Wertach, Ehre das heil`ge Gebein Afra, der Märtyrerin dort.

Sarg der hl. Afra in der Gruft von St. Ulrich und Afra in AugsburgBei den Überfällen barbarischer Völker wurde die Kirche über dem Grabe der heiligen Afra zerstört, so daß man längere Zeit nicht einmal mehr wußte, wo ihre heiligen Gebeine begraben legen. Der heilige Bischof Ulrich von Augsburg war so glücklich, dieselben wieder am 27. Juli 956 gefunden zu haben. Er ließ die Gebeine in ihrem Sarge unter der Erde liegen und stellte die zerstörte Kirche wieder her. Im Jahre 1064 ließ Bischof Embriko die Kirche der heiligen Afra abbrechen. Bei dieser Gelegenheit fand man den Leib der Heiligen in einem ungeheuren großen, steinernen Sarg verschlossen und sorgfältig verwahrt.

Blick in die Basilika St. Ulrich und AfraÜber sieben Jahrhunderte ruhte der heilige Leib dieser Märtyrerin in ihrem Grabe verborgen. Erst um 1804 oder 1805 wurde anläßlich der 1500-Jahrfeier des Martyriums der heiligen Afra der steinerne Sarg wieder gehoben. Man ließ jetzt die heiligen Reliquien mit Gold und Edelsteinen kostbar einfassen und setzte sie in einem Sarg von Kristallglas unter einem Altar der Ulrichs- und Afrakirche feierlich bei. Dort können wir diesen heiligen Leib noch ganz und in seiner kostbaren Fassung sehen und verehren. Keiner von den glänzend weißen Zähnen ist verloren gegangen. Der Anblick dieser heiligen Reliquien ist eine ergreifende Bußpredigt für jeden Gläubigen; der Ausblick zu der verklärten Märtyrerin ist ein himmlischer Trost für jedes bußfertige Herz, das in dieser heiligen Büßerin ein außerordentliches Wunder der göttlichen Gnade in Christo Jesu und zugleich eine mächtige Fürsprecherin verehrt.


Das Institut baut auf Ihre Spende

  • Ihre Spende per Überweisung:

    Freundeskreis St. Philipp Neri e.V.
    Bank für Sozialwirtschaft
    Kontonummer: 1202100
    Bankleitzahl: 10020500
    IBAN: DE53100205000001202100
    BIC: BFSWDE33BER

  • Ihre einmalige Spende per Lastschrift:

    über unser Spendenformular bei der Bank für Sozialwirtschaft:

  • Ihre regelmäßige Spende per Lastschrift:

    über unser Lastschriftformular können Sie uns leicht regelmäßig unterstützen.
    Bitte füllen Sie das ausgedruckte Formular aus und senden Sie es uns zu.

  • Ihre Spende per PayPal:

    Wenn Sie ein PayPal-Konto haben, können Sie uns auch über diesen Dienst etwas zukommen lassen. Für Spender aus dem Ausland ist das sogar ein besonders praktischer Weg. Hier unsere PayPal-Verbindung.

Ohne Ihre Hilfe geht es nicht!