„Il tesoro“

Predigt zum Silbernen Priesterjubiläum von Propst Dr. Gerald Goesche Berlin / Institut St. Philipp Neri 30.10.2011 

Von Prof. Dr. Andreas Wollbold

Evangelium: Joh. 18, 33-37

Kernsatz: Der Priester wird gegen alle Verweltlichung vom Gelübde der Hingabe gehalten.

Lieber Gerald, Du bist ein kunstsinniger Mensch. Der splendor veritatis, der Glanz der Wahrheit, galt Dir immer als bestes Argument für die christliche Lehre. Deren etwas Wahres kann nicht läppisch und täppisch, linkisch und freakish sein, nicht formlos und blaß. In diesem Sinn hast du hier in Berlin einen Ort geschaffen, an dem die katholische Wahrheit strömt und nicht tröpfelt, klar und rein wie das Wasser beim Austritt aus der Quelle und nicht brackig und schmutzig wie in einer Pfütze, durch die schon viele Stiefel achtlos getreten sind. Denn Christus selbst, der ewige König des Alls, ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung, wie uns der hl. Paulus soeben vor Augen geführt trat (Kol. 1). Seitdem er Mensch geworden ist, ist die Herrlichkeit Gottes auf Erden sichtbar. Seitdem gibt es keinen Ort auf dieser Welt, an dem nicht sein Glanz gewissermaßen die kosmische Hintergrundstrahlung bildete. Auch die Sünde mag seine Schönheit verdunkeln, sie mag seine Strahlen verdecken - aber selbst in der tiefsten Sünde ist seine Schönheit nur einen Spalt breit entfernt, nämlich jenes gewaltige Wort „Ego absolvo te a peccatis tuis“, das einen reuigen Sünder nur noch von der Gnade trennt. Was gibt es Schöneres als das Angesicht des verlorenen Sohnes in den Armen seines Vaters?

Kunstsinnig also, wie Du, wie Ihr an diesem Ort seid, habt ihr letztes Jahr ein Oratorium zu Dantes „Göttlicher Komödie“ gehalten. Dieses wohl größte Werk christlicher Literatur ist nichts anderes als Poesie gewordene Theologie. Dies gilt ganz besonders für den dritten Teil, den paradiso, den Himmel. Das ganze Werk stellt ja den Aufstieg der Seele zu Gott angesichts ihres ewigen Schicksals dar. Die drei Teile entsprechen dem dreifachen Weg der Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung mit Gott.

  • Zunächst mußte der Sänger die schrecklichen. Abgründe der HÖLLE durchschreiten. Denn gleich zu Beginn seines Weges verstellten ihm wilde Tiere - Sinnbild der un­geordneten Leidenschaften - den direkten Weg. An diesem Ort erfährt er darum die Reinigung von der Sinnlichkeit, wenn er sich vor Augen führt, welch elendes Ende sie nimmt.
  • Dann bestieg er den Berg der LÄUTERUNG. Hier wurde er erleuchtet mit übernatürlicher Wahrheit und in der Tugend befestigt.
  • Im PARADIES aber geht es im Sinn des dreifachen Weges um die Betrachtung der ewigen Seligkeit; sie treibt ihn an zur Vereinung mit Gott in der Liebe. Dazu nämlich ist der Mensch geschaffen, dazu drängt ihn die Liebe bereits in ihren dunkelsten Verirrungen: eins zu werden mit seinem Schöpfer. Das ist die Wahrheit allen Seins, und sie ist unbeschreiblich, schön. Ihr dienen wir, die Christen allesamt, ganz besonders aber die Priester.

Was aber ist der Schlüssel zur Vereinigung mit Gott? Es ist die Hingabe des Lebens an Gott! Es ist das Ein-für-alle-Mal und das Ganz-und-Gar. In den Gesängen drei bis fünf erscheinen etwas überraschend die Seelen, die „per manco di vòto“ (Par. III, 30), also durch eine Unvollkommenenheit bei ihrem Gelübde, nur bis zum untersten Kreis des Himmels gelangten: „perchè fur negletti li nostri vòti, e vòti in alcun canto. - [...], weil wir unsere Gelübde in einer Hinsicht nicht aufmerksam beachteten“ (Par. III,56f. ). Zwei solcher Seelen lernen wir kennen. Es sind Piccarda und Costanza. Beide legten Ordensgelübde ab, wurden dann aber wieder in die Welt zurückge­rissen - die eine durch ihre Familie, um sie zu verheiraten, die andere durch dynastische Rück­sichten. Entscheidend aber ist: „Ihr Herz zwang nichts, den Schleier abzulegen“ (Par. III,117). Sie hätten im Kloster bleiben können oder zumindest wieder zu ihm zurückkehren können, taten es aber nicht. D. h. sie waren gut, aber zu schwach, und das macht ihren (wenn auch geringen) Fehler aus. (Anm. 1)

Du, lieber Gerald, bist dem votum, denn Versprechen bei Deiner Priesterweihe vor 25 Jahren treu geblieben. Obwohl manche äußere Gewalt, manche scheinbaren Rücksichten, manche gut gemeinten Ratschläge und Mahnungen Deinen Weg hätten in eine ganz andere Richtung führen können, bist Du heute nicht weniger Priester als vor einem Vierteljahrhundert. Du darfst sagen, daß Du im großen Mosaik des Reiches Christi ein Stein: bist; der dein Platz einnimmt, auf den ihn der Herr selbst durch den Mund seiner Kirche gestellt hat. (Anm. 2)

Zurecht feierst Du darum dieses Jubiläum auch nicht in aller Stille, sondern in der Mitte derer, die dir an diesem Ort lieb und wert geworden sind.

Du bist dem votum treu geblieben, und dennoch meine ich, daß die beiden Seelen Piccardas und Costanzas im Mondhimmel uns etwas zu diesem Jubiläum lehren können: Wie kann man treu bleiben unter dem beständigen Druck, in die Welt zurückzukehren? Der Druck zur Verweltlichung, er hängt ja wie ein Damoklesschwert über jeder Priesterberufung heute. Dieser Druck ist besonders dann spürbar, wenn man Priester bleibt und den geistlichen Stand nicht aufgibt.

Schon im Germanikum hat uns das Bewusstsein verbunden, daß die Kirche unserer Zeit sich weithin verweltlicht hat - genau dies hat der Heilige Vater ja neulich in seiner prophetischen Rede im Konzerthaus von Freiburg ausgesprochen. Sie hat Werte, Ideen, Verhal­tensweisen, Umgangsformen und nicht zuletzt eben auch ihr Äußeres der Welt angepaßt, manchmal bis zum Verwechseln. Von vielen Getauften, ja selbst von vielen Verantwortlichen und Oberen, geht ein gewaltiger Sog aus, sich zu verweltlichen - wie ein Staubsauger, der alles in seiner Nähe in seinen dunklen Beutel zieht. Der Sog zur Verweltlichung, d.h. die Gelübde so zu leben, als würden sie einfach irgendeinen Platz in dieser Welt zuweisen wie einem Taxifahrer oder einem Gemischtwarenhändler.

Priester und Orden stehen unter verstärktem Druck - also sozusagen die in der Werbung lautstark angepriesene Turbostufe des Staubsaugers. Sie sollen alles Besondere ablegen - geistliches Gewand, Brevier und tägliche Messe als eiserne Ration jedes Priesters, ein besonderer Umgang mit dem anderen Geschlecht (und, nicht zu vergessen, ebenso mit dein eigenen), das von Geistlichkeit und Herzlichkeit, nicht von Begehren und Sinnlichkeit bestimmt ist u.v.a. „Kiek ma, een Christlicher!“ soll es nicht mehr geben, sondern: „Kiek maa, de sin ja ooch bloß so wie wir.“

So wurde das Refektorium zur Kantine, das Pfarrhaus zum Taubenschlag, die Klosterzelle oder die Studierstube des Pfarrers wurden zur WLAN-­fähigen Verwaltungszentrale, der gute Hirt wurde der clevere Animator, der Prophet der stets lächelnde Jongleur des Möglichen, und die Pfarrei bestenfalls ein agiler Akteur im lokalen Vereinsleben. Der Priester wurde zum Gemeindeleiter, eine Art hauptamtlichem Vereinsvor­stand; er wurde zum Bruder, der das Leben der Menschen teilt - man fragt sich nur, warum er für diese Selbstverständlichkeit auch noch ein Gehalt bekommt. Kurz, Sirenengesänge und Donnergrollen, Verlockung und Drohung zur Verweltlichung haben Du und ich mehr als genug erlebt: „Gleiche dich dieser Welt an! Definiere dich von den Bedürfnissen der Menschen und den Erfordernissen des Kirchenbetriebes her!“

In gewisser Weise wäre uns eine komfortablere Lösung zur Verweltlichung angeboten worden als Piccarda und Costanza: „Priester kannst du bleiben, aber sei es im Herzen als ein Weltlicher, nicht als ein Geistlicher!“ Persönlich bin ich ja überzeugt, daß genau hier die unsichtbare Scheidelinie unserer Zeit liegt: Nicht einfach zwischen Rechts und Links oder zwischen der „Kirche von oben“ und der „Kirche vorn unten“, sondern ganz einfach im Herzen jedes Menschen: Ist er ein Geistlicher oder ein Weltlicher? Läßt er sich tatsächlich in allem zuerst von Gottes Gesetz und Willen leiten, oder verehrt er fremde Götter und folgt ihrem Treiben?

In unserem votum jedenfalls, in unserem Weiheversprechen, haben wir versprochen, Geistliche zu sein und ein Leben lang Geistliche zu bleiben. frei haben wir uns gebunden: „Nun lebe nicht mehr ich, Christus lebt in mir.“ Das gilt ganz besonders in der Stunde der Versu­chung: Auch wenn sich dann böse Wünsche regen, soll die Vernunft uns sagen: Nein!, denn wir sind Menschen und kein vernunftloses Vieh (Par V,79 f,). Genau dies nämlich ist der einzige Weg zum Himmel. Bei Dante heißt das so: „Lo maggior don che Dio per sua larghezza / fesse creando (...). - Das höchste Gut, das Gott in seiner Güte je geschaffen hat“ (Par. V, 19f), ist die Willensfreiheit. Sie ist der größte Schatz des Menschen (Par. V., 29). Das ist der „maggior punto“, der Hauptpunkt (Par V., 34), das punctum salientis et cadentis, der springende Punkt des ganzen Christentums: Binde ich meinen Willen an Gottes Willen oder nicht? Wer geistlich sein will, darf darum nicht zuerst auf spirituelle Erfahrungen, mystische Einweihungen oder Kraftorte ausgehen, sondern er muß ganz schlicht Gott seine Freiheit zum Opfer bringen. „Suscipe, Domine, universam meam libertatem. - Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit“, so beginnt das berühmte Gebet der Hingabe des hl. Ignatius von Loyola; gerne betet man es auch zur Danksagung, um dem Meßopfer das Lebensopfer zu verbinden.

Ich meine hier gar nicht einmal zuerst jene höhere Suche nach Gottes Willen für mich, die ,,Unterscheidung der Geister“, die schon in unserer Kollegszeit in mancherlei Hinsicht als die Quintessenz des geistlichen Lebens ausgegeben wurde. Bei unserem heiligen Vater Ignatius stehen die Regeln zur Unterscheidung der Geister ja auch erst in der zweiten Woche der Exerzitien, d.h. sie sind zweiter Stock und nicht „Prinzip und Fundament“. Die Suche nach dem persönlichen Willen Gottes für mich setzt die erste Woche voraus, und dort geht es ganz schlicht nicht um den Willen Gottes für mich, sondern an sich, also um seine Gebote. Nicht das Besondere, Einmalige, Persönliche also legt den Grundstein des geistlichen Lebens, sondern das Allgemeine, das für alle Gleiche und Immer-Gültige. In der Tat, so haben wir spätestens letztes Jahr durch jenen Skandal begreifen müssen, der vom Berliner Canisius-Kolleg seinen Ausgang genommen hat: Es gehört zu den geradezu teuflischen Versuchungen besonders für Priester und Ordensleute, die allgemeinen Gebote - nicht zuletzt das sechste! - hintanzustellen: „Ich bin bei Gott ja einmalig, und deshalb sind mir auch Handlungen erlaubt, die nicht für jedermann gut sind.“ Auch dies hat uns, so meine ich, über alle Jahre verbunden: ein tiefes Unbehagen gegen all die Subjektivierung der Frömmigkeit und besonders der Liturgie.

Binde ich meinen Willen an Gottes Willen oder nicht? Entsage ich jeden Tag schon beim Aufstehen jeglicher Verlockung durch die Welt, jeder Erschlaffung im Kampf um den Geist in der Kirche? In der Priesterweihe haben wir Gott und der Kirche unser Leben versprochen. Als Priester Haben wir zudem unser Seelenheil eng mit der Sorge für die Kirche und die Seelen anderer verbunden, den Schatz unserer Freiheit dargebracht. An der Treue dazu hängt seitdem unser eigenes Heil als Priester: „Scherzt bei Gelübden, Sterbliche, mitnichten! / Seid treu!“ (Par. V, 64f.). Daß Dir dies 25 Jahre lang gelungen ist, lieber Gerald, daß Gottes Gnade Dir allezeit die Gabe der Beharrlichkeit verliehen hat, dafür danken wir heute mit Dir. Zugleich bitten wir inständig, daß Gott Dir auch die Treue bis zum Ende verleihen und Dich einst in seine himm­lische Seligkeit aufnehmen möge!

Noch einen letzten Schritt müssen wir unternehmen. Dante Alighieri schließt an den Fall der Piccarda und der Costanza auch eine scheinbar bloß kirchenrechtliche Reflexion an. Was bedeutet es, wenn die Kirche von einem Gelübde dispensiert bzw. wenn sie seinen Gegenstand umwandelt (Par. V, 35f.)? In Wirklichkeit gibt er damit die letzte Antwort auf unsere Frage: „Wie kann man treu bleiben unter dem beständigen Druck, in die Welt zurückzukehren?“ Denn wie ein guter scholastischer Theologe unterscheidet Dante zwischen Was und Wie, zwischen Materie und Form, also dem eigentlichen Opfer des Willens, der Hingabe, und dem konkreten Inhalt des Versprechens.

  • Anders gesagt, das Was, die MATERIE, also das, was man sich konkret bei der Weihe vom zukünftigen Dienst vorgestellt hat, was man gedacht hat, so würde man einmal sein Leben zubringen, das kann sich ändern: Pfarrer werden und eine Pfarrei über Jahrzehnte als Hirte leiten. Freilich, so Dante weiter, wenn diese konkrete Verwirklichung geändert wird, darf man es sich nicht immer leichter machen (Par. V.58-63): Man darf nicht etwa bei der Weihe dem Herrn erklären, selbst Leib und Leben, Hab und Gut, ja selbst das eigene Blut hinzugeben, und später jammert man herum, wenn einmal nicht in allen Zimmern Fußbodenheizung ist oder wenn die Leute einem nicht verzückt an den Lippen hängen.
  • Fest bleiben dagegen muß die FORM, das Wie, also der Wille zur Hingabe selbst. Denn „Geschenktes zurückgeholt ist gestohlen“, nirgendwo gilt das so sehr wie bei einem Gelübde an Gott.

Genau das, lieber Gerald, hast du in Deinen 25 Priesterjahren erlebt. Durch äußere Umstände, ganz besonders durch den Druck zur Verweltlichung wurde Dir der normale, zu erwartende Weg mehrmals wie bei Bileams Esel versperrt. Mehr als einmal standst Du vor dem „Geheimnis der leeren Hände“ (Georges Bernanos) und mußtest Dich vor Gott fragen: „Und was fange ich nun an?“ Hat das Deinem Priestertum geschadet? Ganz im Gegenteil, gerade in solchen Stunden hast Du das eigentliche Opfer des Willens, die Hingabe im Priestertum, erneuert. Das heißt, Du hast auf das zurückgegriffen, was zur eisernen Ration des Priesters gehört: das feste „Ego volo celebrare“, also die tägliche Zelebration, das Brevier und das häufige Gebet, die Festigkeit im zölibatären Leben, die Liebe zur Kirche „pro felici statu sanctae Romanae Ecclesiae“ – „für den glücklichen Zustand der Heiligen Römischen Kirche“ - und die Bereitschaft, den Seelen zu helfen „pro omnibus, qui se commendaverunt precibus meis in genere et in specie“ – „für alle, die sich meinen Gebeten im allgemeinen, und im besonderen, anvertraut haben“. Gott selbst aber hat mit einer besonderen Vorsehung darauf geantwortet. Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, daß Du, ein Priester des Bistums Aachen, einmal das erste traditionsverbundene Oratorium in der Bundeshauptstadt Berlin [und nicht mehr Bonn!] gründen würdest? Die konkrete Verwirkli­chung Deines Priestertums sieht nun also tatsächlich ganz anders aus als damals vorgestellt. Aber das Erstscheidende, der tesoro der Willensfreiheit und seine Hingabe als Priester, das ist gleich geblieben.

Was uns heute verbindet, ist vor allem die Wiederentdeckung der klassischen römischen Liturgie. Auch das gehört zu den Überraschungen der Vorsehung Gottes, die das Gelübde der Weihe neu gefüllt hat. Gewiß, schon damals haben wir aus ganzem Herzen die Mahnung Dantes unterschreiben können:

„Langsamer, Christenvolk, zu wandeln trachte!
Nicht haltlos treib, ein Flaum in Windeseile;
Und daß nicht jedes Wasser wäscht, beachte!“ (Par. V, 73-75).

Durch die Weisheit und Güte unseres Heiligen Vaters aber können wir heute wieder mit vollen Händen aus der ganzen Tradition schöpfen. Laß mich darum abschließend meinen Wunsch zu Deinem Silbernen Priesterjubiläum mit einem Augenblick in der hl. Messe ausdrücken, genauer dem Stufengebet. Es ist für mich immer ein ganz besondere Moment, wenn ich zu Beginn der hl. Messe unten an den Stufen des Altars stehe. Auch das ist sichtbar gewordene Wahrheit, ernst, schön, überwältigend. Mit einem Schlag sind die Verhältnisse zwischen Gott, Mensch und Welt klar sichtbar: Der Priester ist nicht Herr des heiligen Raums, sondern wie ein Sklave Christi läßt ihn der Herr zunächst an der Schwelle zum Heiligtum warten. An diesem Ort verharrt der Priester - ein Leben lang. Der Psalm „Iudica“ macht ihn zum Pilger, zum Lebens­pilger in das ewige Heiligtum, das paradiso. Aug in Aug steht er mit dem Gekreuzigten, der ihn im Altarkreuz anschaut und mit dessen Zeichen er die hl. Messe eröffnet. „Der am Kreuz ist meine Liebe“, ihm schenkt er sein Leben, und von ihm empfängt er die Wahrheit, die er dann den Gläubigen verkündet: Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

 Der Priester steht aufrecht - in der Regel allein, während Ministranten und wohl meist auch die Gläubigen knien. Denn in diesem Moment steht er auch ein für die Menschen hinter ihm. Wie Mose auf dem Berg Sinai stellt er sich unter Gottes Gericht, um dann auch seine Gnade zu erlangen. Gewissermaßen wie Dante muß der Priester also die Welt auf all ihre Höllen durchschauen, muß er Wege des Aufstiegs zur Läuterung für alle ihm Anvertrauten finden. Er darf sich von der Welt nicht dazwischenreden lassen, was sie doch eigentlich viel besser zu wissen meint, sondern sich von Gott in der Kirche belehren lassen, wie es wirklich um die Welt steht. Die Welt auf den Schultern, den Blick auf das Kreuz, darf der Priester nun eintreten, in das Al­lerheiligste, die „sancta sanctorum“. „Introibo ad altare Dei, ad Deum, qui laetificat juventutem meam. - Zum Altar Gottes will ich treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut.“ Unser Alter erlaubt uns zwar nicht mehr, uns zur Jugend zu zählen. Aber Dein Herz, lieber Gerald, ist übernatürlich jung geblieben, für jedes Abenteuer Gottes weiterhin bereit. Möge Gott selber darum das gute Werk vollenden, das er in Dir begonnen hat!

 


 

Anm.1:

„Kein Wille, der nicht will, ist zu vernichten,
Nein: wird wie Feuer den Naturtrieb zeigen,
Trotz tausendfachem Druck sich aufzurichten.
Mag er nun wenig oder viel sich neigen,
Er unterstützt den Zwang, wie die es machten,
Statt rückzufliehen in des Klosters Schweigen“ (Par. IV., 76-82).

Anm. 2:

Dante erwähnt ja die beiden Schlüssel der Kirche, den weißen Schlüssel der Lehre und den gelben Schlüssel der Leitung, als entscheidend dafür, daß ein Gelübde gültig ist oder nicht (Par. V. 57). D.h. die Gemeinschaft mit der Kirche und ihrem Oberhaupt steht für uns nie zur Debatte.


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